Gedichte

Der richtige Weg

“Kennst du den Weg?”, fragte er.

Er war sich nicht sicher, wie sie reagieren würde.

Wo wollte er bloß hin? Sie hatten sich doch eben erst kennen gelernt. Verständnislos blickte sie ihn an. “Wie meinst du das? Wo möchtest du denn plötzlich hin?”

“Ich möchte nirgendswo hin”, still starrte er in die Ferne. Große Vögel zogen am Himmel kreise. Es war ein schöner Herbsttag. Die letzten Blätter fielen von den Bäumen und er saß ganz alleine neben ihr auf einer Bank im Stadtpark.

Es war ein schönes Gefühl nach langer Zeit mit jemandem reden zu können.

“Ich verstehe nicht?! Welchen Weg meinst du?”, sie sah ihn fragend an.

“Wenn ich nur wüsste, wo es hingeht.”, er atmete tief.

Sie kannten sich nicht, doch waren sie sich keine Fremden. Ihr freundliches Lächeln, diese weißen Zähne, dachte er.

Vor nicht ganz zwanzig Minuten hatte er sie angesprochen. Sie war erfolgreich, stand fest im Leben – hatte ein Ziel. Er jedoch lebte Tag für Tag, immer die gleichen Gedanken und Gefühle die ihn verfolgten. Jeder Tag hatte diesen grauen Schleier angenommen. Früher war das Leben so einfach, nach der Arbeit hatte er immer Zeit für seine Freunde und die Hobbys gehabt. Doch diese Zeiten sind vorbei, er hatte niemanden mehr.

“Ich möchte ein neues Leben beginnen, in einer neuen Welt”, er klang fast weinerlich, doch das wollte er nicht sein. Reiß dich zusammen Sebastian, dachte er, es kann so nicht weitergehen. Er sah auf, Tränen standen ihm in den Augen. Er lächelte sie an: “Sarah”, sagte er. “Ich möchte, dass du weißt, dass du wunderschön bist. Lass dir von niemandem sagen, dass du es nicht Wert bist sein Freund zu sein. Erlebe dein Leben und lerne zu vertrauen.”

Er stand auf, sah ihr für einen kurzen Augenblick ins Gesicht – wie schön es doch war, es gab ihm ein gutes Gefühl, wenn er doch nur immer so verweilen könnte, dachte er sich – und ging mit hängenden Schultern den blätterbedeckten Weg entlang. Sie würde ihm nicht folgen, das war ihm klar.

Vielleicht würde man ihn irgendwann verstehen, wenn er nach dem Weg fragt.

Schweigen.

Wieso sprechen wir so viel, wenn wir nichts zu sagen haben?

Zu allem eine Meinung zu haben.

Immer alles mitzuteilen.

Es ist nicht einfach. Nutze jedes Wort gewählt.

Ansonsten ist Reden nicht einmal Silber und Schweigen weit mehr als Gold!